REVIEWS DEZEMBER 2017 LPS NEUHEITEN JÜRGEN

Hier nochmals kurz vor der großen Jahresbilanz 2017 sechs Kurzbesprechungen von Schallplatten, die ich in den letzten 14 Tagen gekauft habe.

Neu gekauft LPs Dezember 2017 Kurzdurchlauf Besprechung Reviews Neuheiten

The Eagle Rock Gospel Singers – No Glory (Private Press Club)

Kurz vor dem Jahresende ist „No Glory“ nun doch noch auf Vinyl erschienen, nachdem CD/Download/Streaming schon seit einigen Monaten erhältlich sind. Das Vorgängeralbum „Heavenly Fire“ war meine Lieblingsplatte 2015 und „No Glory“ ist ein genauso bewegendes und wunderschönes Album geworden – hier geht es natürlich um Erlösung, tiefen Glauben und um Lobet den Herrn, um was denn sonst. Die Eagle Rock Gospel Singers kommen aus Los Angeles und transferieren klassischen 60s/70s Soul, Gospelroots und siebziger Americana auf fantastische Weise in die Gegenwart. Die 12 Songs haben allesamt wundervolle Arrangements und Instrumentierungen, das Album ist sehr abwechslungsreich und trotzdem kompakt und kraftvoll und wie aus einem Guss. Ein mitreißendes, ehrwürdiges und sehr anmutendes Album. That’s Soul!

Bewertung: 10/10

The Spacelords – Water Planet (Tonzonen Records)

„Black Hole“ von den Spacelords war eines meiner absoluten Lieblingsstücke 2016. Ein 21 Minuten Song von ihrer LP „Liquid Sun“, der sich fast schon magisch und hypnotisch entwickelt, eine wunderbar warme Grundstimmung über den gesamten Song hält und voller Spannung steckt. Ein Meisterwerk des instrumentalen PsychedelicKosmikKrautrock der Gegenwart. Und genauso hochklassig machen die Spacelords (die aus Reutlingen kommen) mit „Water Planet“ weiter. Ein sehr transparenter und warmer Sound bildet das Fundament der sich geradlinig und scheinbar mühelos aus sich selbst heraus entwickelnden Songs. Die 40 min Spieldauer der drei Songs auf der LP verfliegen wie im Orgonakkumulator – eine herausragende LP. File under: Kosmische Kuriere

Bewertung: 9.5/10

The Weather Station – The Weather Station (Paradise of Bachelors)

Tamara Lindeman aus Toronto ist mit ihrem vierten Album inzwischen irgendwo zwischen „Court and Spark“, „The Hissing of the Summer Lawns“ und der ersten Rickie Lee Jones-LP angekommen. Das ist aber überhaupt nicht schlimm, denn diese Veröffentlichung hält mit den großartigen Originalen durchaus mit. Eigentlich ist das Einklassifizieren in klingt wie eine Mischung aus X und Y ja ziemlich ungerecht, denn die aktuelle Generation an Musikern kann ja nichts dafür, dass es gefühlt alles schon mal gab. Doch hier liegt eben die Analogie sofort auf der Hand, was ja nicht unbedingt heißen muss, dass Tamara Lindeman und Band nicht genug eigene Persönlichkeit und Eigenständigkeit in ihre Musik einbringen würden. Für sich genommen ist das nämlich absolut hochklassig und es ist ein wirklich tolles und empfehlenswertes Album geworden.

Bewertung: 9.25/10

Mavis Staples – If All I Was Was Black (Anti)

Ich kann mit Jeff Tweedy und Wilco schon immer nur recht wenig anfangen, aber seine Zusammenarbeit mit Mavis Staples ist auch auf diesem vierten gemeinsamen Album wieder richtig gut. Die Texte setzen sich mit der aktuellen politischen Lage/Stimmung in den USA auseinander und stellen immer weder eine Analogie zu den Zeiten der Bürgerrechtsbewegung unter Martin Luther King her. Es geht um offenen Rassismus und soziale Ungerechtigkeit und vor allem darum, dass sich die Lebensbedingungen der Black Community wieder zurück in Richtung den dunklen 1960er Jahren in den USA entwickeln. Bitterkeit und Wut begegnet Mavis Staples dabei stets mit viel Liebe, kämpferischen Aussagen und der Aufforderung nach gemeinsamem Bekämpfen der aktuellen Situation. Wenn man es genau betrachtet, ist dies ein wunderbar reduziertes Singer/Songwriter Album einer 78-jährigen Soulsängerin, die absolut auf der Höhe der Zeit ist.

Bewertung: 9/10

Loamlands – Sweet High Rise (Hillsborough Road Records)

„Sweet High Rise“ ist als CD und Download schon 2016 erschienen, aber nun kam erst das Vinyl heraus. Genau genommen handelt es sich also um ein Album von 2016, aber ich möchte diese erste Veröffentlichung von Loamlands dennoch kurz besprechen und empfehlen. Loamlands sind aus Durham/North Carolina und es spielen Bandmitglieder von Hiss Golden Messenger und Bon Iver auf den 10 Songs mit. Die meisten dieser Songs haben den melodischen Geist von „Rumours“ und „Tusk“ im Arrangement infiltriert. Trotzdem ist das alles sehr eigenständig und das Album überzeugt mit Wärme, Tiefgang und guten Texten.

Bewertung: 8.5/10

 

Buster Shuffle – I’ll Take What I Want (Burning Heart Records)

Buster Shuffle haben Humor, dies merkt man auch daran, dass die Platte, die ich direkt bei der Band bestellt habe, nur in eine Plastiktüte gesteckt und adressiert ihren Weg von East London nach Stuttgart findet. Leider sind alle vier Ecken um 45 bis 60 Grad umgeknickt. Macht aber nichts – das Vinyl hat zum Glück überlebt und das Cover wandert nachher ins Altpapier. Tipp: Das nächste Mal dann einfach die Briefmarken und den Adressaufkleber gleich auf das Cover kleben – dies spart die Plastiktüte, geht noch schneller und das Ergebnis dürfte dasselbe sein.

Aber nun zur Musik: Auch auf ihrer vierten Veröffentlichung spielen Buster Shuffle Ska mit oftmals dominierendem Piano und starkem Popeinschlag – also nicht unähnlich dem was wir von Madness aus NW5 seit Jahrzehnten kennen. Das ist dead british und das ist tolle Gute Laune-Musik. Schön, dass auch endlich jemand den One Tree Hill, Honor Oak Park, SE London besingt. Die 12 Songs sind leider schon nach 28 Minuten durch, aber der Kürze liegt ja tatsächlich auch oft die Würze. So hat das Album keinerlei Längen und macht großen Spaß beim Hören.

Bewertung: 8.5/10

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