REVISITED 4: THE COMSAT ANGELS – „WAITING FOR A MIRACLE“

THE COMSAT ANGELS – WAITING FOR A MIRACLE (1980)

„I can’t stand up and I can’t sit down

‚cos a great big problem stopped me in my tracks

I can’t relax ‚cos I haven’t done a thing

and I can’t do a thing ‚cos I can’t relax“

(Independence Day)

 

Auch heute noch die typische Wühlkisten- und Flohmarktplatte, zumindest bei uns in Deutschland. Ich habe die Platte tatsächlich 1981 bei Schallplatten Find in Kirchheim/Teck für 5,- DM aus der Sonderangebotskiste herausgezogen.

Bei Find konnte man Platten anhören, die einem junge, gelangweilte und schmatzend Kaugummi kauende Pre-Nenalookalikes mit schrecklichen Ohrringen auflegten.

Das Besondere war, dass man den Tonarm vom Tresen aus mit einem für die damalige Zeit unglaublichen Hightechkästchen über die 2 Meter bis zum Plattenspieler steuern konnte, denn der stand auf der anderen Seite hinter dem Tresen. Der Tonarm konnte rauf und runter und vor und zurück bewegt werden. Mehr brauchte man nicht. Die Sache hatte nur einen Haken: die Nenas mussten die Platten umdrehen. Was diese aber ab dem fünften mal nur noch sehr widerwillig taten.

Beim Find gab es bestimmte New Wave-Platten, wie wir damals sagten, schon relativ kurz nach dem Erscheiningsdatum herabgesetzt. Der Chefeinkäufer muss einen guten Geschmack und hohe Ansprüche gehabt haben, aber da das Publikum dort eher Mainstreamzeugs kaufte, gab es die interessanten Sachen zum Sonderpreis. Mir war es recht.

Irgendwann hing dann da ein Schild, dass man in Sonderangebote nicht mehr reinhören durfte. Deshalb las ich immer in alten Musik Express und Sounds Ausagben entsprechend die Kritiken nach, sofern diese Platten besprochen wurden. Das war aufwändig, aber es zahlte sich zumeist aus.

Hören konnte man diese Art von Musik ja nirgends, da sie weder im Radio gespielt wurde, noch war das Reinhören in den sonstigen Plattenläden unproblematisch möglich.

Zumeist legte ja überall in den Schallplattenläden (wenn überhaupt) das zumeist launige, unberechenbare und auf intelligente Sprüche gepolte Personal über die Ladenlautsprecher etwas auf. Wenn man einen halben Tag Zeit hatte, bereit war mehrfach zu fragen und dazu noch bereit war die Musik die man hören wollte auch gegen die stets lästernden Anwesenden zu verteidigen, dann konnte man das machen – meine Sache war das damals (noch) nicht.

Die Comsat Angels hatten als die Platte herauskam im September 1980 sechs Sterne im Musik Express und wurden als „Weltklasse“ beschrieben. Ein besseres Kaufargument konnte es gar nicht geben – und der Rezensent sollte recht behalten.

„Waiting for a Miracle“ ist der Missing Link zwischen „Unknown Pleasures“ von Joy Division und „Seventeen Seconds“ von The Cure und definitiv eine der besten New Wave- bzw. Postpunk LPs überhaupt.

Ein Hit jagt den anderen. Die Platte ist sensationell gut produziert und hat einen düsteren und schneidenden, aber bei aller Basslastigkeit trotzdem einen sehr zugänglichen Sound. Die Verantwortung für das Engeneering trug Peter Wilson, der auch einiges von Sham 69, The Jam, Cockney Rejects und Style Council produziert hat.

New Order und The Cure und Weggefährten wie U2 legten Riesenkarrieren hin – The Comsat Angels nicht.

Ich konnte die Band 2009 in der Islington Academy in London zusammen mit den Chameleons sehen, die da unter dem Namen Second Skin auftraten. Die Comsat Angels hatten sich da für wenige Konzerte nochmals reformiert. Auch da wurde sofort klar, was für ein Riesenpotential, was für tolle Songs und was für einen wegweisenden Sound die Band hatte.

„Waiting for a Miracle“ ist ein absoluter Klassiker – auch heute noch!

Bewertung: 10/10

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