REVISITED 3: THE SCREAMING BLUE MESSIAHS – „TOTALLY RELIGIOUS“

What is in your opinion the greatest achievement in the history of Screaming Blue Messiahs?

„That we got through it without Chris or me killing Bill Carter“

(Chris Thompson, Kenny Harris – read.tidal.com 2013)

THE SCREAMING BLUE MESSIAHS – „TOTALLY RELIGIOUS“ (1989)

Küss mich einmal alleine/Küss mich zweimal zu zweit/Leg den Hals in die Leine/Und dann ist es soweit/Wer soll mich halten?/ Die, die schon verrückt sind?/Abdreh’n, abdreh’n ,abdreh’n.

(Halt mich fest, ich werd verrückt – Trio 1981)

The Screaming Blue Messiahs spielten eines der besten und denkwürdigsten Konzerte bei dem ich jemals war. Das war Anfang 1988. Selten hat eine Band ein Publikum so an die Wand genagelt und mit ihrer psychotischen und mitreißenden Energie einen Saal dermaßen gleichzeitig in Schockstarre und Verzückung gespielt.

Ich war bei vielen Bands, die live als der absolute Hammer galten – The Screaming Blue Messiahs waren es wirklich! Das lag natürlich in erster Linie an Bill Carter, der den Mick Green/Wilko Johnson-Telecasterstyle über sämtliche Grenzen führte und einen sensationellen Gitarrensound hatte. Aber es war natürlich auch Kenny Harris fantastisches Drumming und der wuchtige und treibende Bass von Chris Thompson, welcher den unglaublichen Punch der Band ausmachten.

Für mich begann alles mit einem Sonderangebot in der oberen Lerche. Die hatten das Album der SBM Vorgängerband Motor Boys Motor mit seinem schrecklichen Schlangencover für sensationelle 5,90 DM in einer Wühlkiste. Und das gleich 10 mal.

Da ich einige Zeit zuvor im Musik Express eine gute Kritik gelesen hatte, riskierte ich den Schnäppchenpreis. Die Platte war ok, aber sie haute mich nicht um, machte mich aber einige Zeit später auf die erste Mini-LP „Good and Gone“ von The Screaming Blue Messiahs aufmerksam – von Vic Maile produziert, den ich von Dr. Feelgood, Motörhead und The Inmates her kannte. Das konnte nur gut sein – und so war es auch. Im Gegensatz zu Motor Boys Motor sang Carter nun auch selbst, was eine sehr gute Entscheidung war.

So verfolgte ich die Karriere der SBM über ihr erstes richtiges Album „Gun Shy“ (1986), über „Bikini Red“ (1987) und eben „Totally Religious“, das Ende 1989 erschienen ist.  Sehr erfolgreich in Deutschland war die „Peel Sessions“ -EP mit Aufnahmen von 1984, die 1986 als eine der ersten Veröffentlichungen aus dieser Reihe herauskam.

Das Problem bei einer solch exzellenten Liveband war natürlich, dass live spielen und Studioaufnahmen zwei paar Schuhe sind. Ich mag alle SBM Releases, aber „Totally Religious“ ist auch aus heutiger Sicht mein Favorit, als ganzes Album gesehen. Interessanterweise ging die Platte damals ziemlich unter, nachdem es für SBM davor 5 Jahre nur bergauf ging und das Album „Bikini Red“ mit  „I wanna be a Flintstone“ ja sogar einen richtigen Chartshit (inUK) hatte.

Vermutlich war aber das genau das Verhängnis der Band.

Die Band wechselte von WEA zu Elektra und wurde einen Monat nach der Veröffentlichung von „Totally Religious“ Ende 1989 vom Label fallengelassen. Kurze Zeit später löste sich die Band auf und verschwand für immer.

„Totally Religious“ ist die SBM Platte, die am meisten wie aus einem Guss klingt. Sie klingt sehr kompakt und auf den Punkt gespielt und atmet den Zeitgeist von Bands wie My Bloody Valentine etc.

Trotz der ganzen amerikanischen Reminiszenzen in den Texten, waren SBM für mich immer eine typisch englische Rhythm and Blues Band in der Tradition von The Pirates, den frühen Dr. Feelgood etc. Doch sie transferierten diese Soundbasis auf das überübernächste Level. Da ist immer auch der Wahnsinn und die Aggressivität eines Alan Vega spürbar und eine Intensität und Dichte wie sie nur Bands wie z.B. Hüsker Dü hatten.

Eine der besten englischen Bands der mittleren und späten 1980er Jahre mit ihrem überragenden Abschiedsalbum. Gäbe es die Lerche noch, stünden davon wohl heute sicherlich 10 Exemplare in der Wühlkiste. Gleich hinter den 9 übrigen von Motor Boys Motor.

Bewertung: 10/10

 

Four Engines Burning (Over the USA)

Gunfight

All Gassed Up Live Zürich 07.12.1989

All Shook Down (The Night Network Sessions)

University of Maryland live 1986 + Interview

Someone To Talk To (Old Grey Whistle Test 1985)

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